Am 13. Juni 2026 stellten wir, Anselm Uhlmann (68) und Siegfried Holtmann (69), uns einer der größten Herausforderungen des europäischen Jedermann-Radsports: der Vätternrundan in Schweden. Die traditionsreiche Rundfahrt führt auf einer Strecke von 318 Kilometern einmal rund um den Vätternsee und zählt zu den bekanntesten Langstrecken-Radmarathons der Welt.
Unser Start war für 5.30 Uhr in Motala vorgesehen. Doch schon vor dem Start gab es den ersten Schreck: Anselm hatte einen Defekt an seiner Schaltung. Während der Schaden behoben wurde, musste ich die Fahrt allein aufnehmen. Erst etwa eineinhalb Stunden später konnte Anselm seine Tour beginnen und machte sich auf, den Rückstand aufzuholen.
Die ersten rund 120 Kilometer fuhr jeder von uns allein. Da wir uns vorgenommen hatten, diese Herausforderung gemeinsam zu meistern, wartete ich auf Anselm. Nach etwa 40 Minuten trafen wir uns schließlich wieder und setzten die restlichen fast 200 Kilometer Seite an Seite fort.
Die Strecke führte durch die wunderschöne Landschaft rund um den Vätternsee. Immer wieder boten sich beeindruckende Ausblicke auf den See. Doch das Wetter zeigte sich von seiner härtesten Seite. Rund acht Stunden fuhren wir im Regen, dazu kam über viele Kilometer ein kräftiger Gegenwind, der uns jede Menge Kraft kostete. Jeder Anstieg und jeder Kilometer verlangten Durchhaltevermögen und einen starken Willen.
Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen. Mit gegenseitiger Motivation, langjähriger Erfahrung und viel Ausdauer kämpften wir uns Kilometer für Kilometer dem Ziel entgegen.
Nach einer reinen Fahrzeit von rund 13 Stunden erreichten wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h das Ziel in Motala. Einschließlich aller Verpflegungs- und Erholungspausen waren wir insgesamt 15 Stunden unterwegs.
Der emotionalste Moment wartete jedoch ganz zum Schluss: Die letzten Meter bis zur Ziellinie legten wir gemeinsam zurück und überquerten Hand in Hand das Ziel. Nach 318 Kilometern, Regen, Gegenwind und allen Strapazen war dies ein Augenblick, den wir beide so schnell nicht vergessen werden.

Für uns war die Vätternrundan weit mehr als nur eine Radsportveranstaltung. Sie war ein Beweis dafür, dass Leidenschaft, Zusammenhalt und Ausdauer keine Frage des Alters sind. Als die „Oldis“ des Bike Team Neustrelitz haben wir gezeigt, dass man auch mit 68 und 69 Jahren große sportliche Herausforderungen erfolgreich meistern kann.
Mit der Finisher-Medaille um den Hals und vielen unvergesslichen Eindrücken traten wir die Heimreise nach Neustrelitz an. Unser Dank gilt den Organisatoren, den zahlreichen freiwilligen Helfern und den begeisterten Zuschauern entlang der Strecke, die diese Veranstaltung zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht haben.
Unser Fazit: Man ist nie zu alt für große Ziele. Mit guter Vorbereitung, gegenseitiger Unterstützung und der Freude am Radsport lassen sich selbst 318 Kilometer rund um den Vätternsee bewältigen.